April 02

Einträge:

Vorwort
Ostern
Rundreise durch Texas

Vorwort

Der April war geprägt von einem ständigen Kommen und Gehen in unserem Haus. Jürg musste gleich zu Beginn des Monats für ein Meeting in die Schwez (!) reisen, ist allerdings nur zwei Tage da geswesen und hatte damit keine Zeit, sich mit vielen Leuten zu treffen. Kurz nach seiner Rückkehr ist dann Nonna Monika eingeflogen und hat mit uns drei unterhaltsame Wochen verbracht. Mit ihr sind wir während einer Woche quer durch Texas gefahren, doch dazu später. Kurz nach der Rückkehr vom Trip sind Nicole und Yann auf ihrer Weltreise als Abschluss und Höhepunkt (?) nach 30 stündiger Busfahrt (...) von San Diego in Houston eingetroffen. Auch mit ihnen haben wir eine sehr gute Zeit verbracht und wir genossen es, mal nicht immer auf Salome aufpassen zu müssen. Nachdem sie uns verlassen hatten musste/durfte Jürg auf eine Kurztrip nach Washington um einen Vortrag zu halten. Und als er wieder in Houston war, war die Zeit gekommen, Monika zu verabschieden. Nun ist also der Moment gekommen , um das Erlebte aufzuschaffen und auf unserer Webseite zu verarbeiten.

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Ostern mit Salome

Eigentlich gehört dieser Abschnitt ja noch zum März, aber da wir so spät daran sind... Da wir vom Schweizer Osterhase einen Schoggi-Oschterhase aus "richtiger" Schoggi geschickt kriegten, haben wir uns entschlossen, für Salome einen "Easter-Basket" zusammenzustellen, einige Eier einzufärben (was die Amis übrigens ganz anders als die Europäer machen) und mit Salome einen besonderen Sonntagmorgen zu feiern. Bereits einige Tage vor Ostern hat Salome immer wieder ein Osterhasenbuch als Guetnchtgschichtli ausgewählt und am Samstag durfte sie uns helfen, die Eier bereitzustellen. Patricia hat ihr dann beim ins Bett gehen die Geschichte nochmals erzählt und dann haben sie gemeinsam den Korb mit den gefärbten Eier vor die Türe gestellt, für den Fall, dass der Osterhase bei uns Halt machen würde und die Eier verstecken sollte.
Am Sonntag morgen um 6.30 wurden wir dann nicht wie gewohnt mit einer aus ihrem Bett uns rufenden Salome geweckt ("Máma, Mamá - Papá!"), sondern mit einem erstaunten "Máma, lueeg!" Im Gegensatz zu allen anderen Morgen ist sie also von sich aus aufgestanden und hat sich still und heimlich auf die Eiersuche gemacht! Und dann hielt sie doch tatsächlich ein Ei und der Turnschuh vor Patricias Nase, in welchem sie das Ei gefunden hat! So sind wir dann innerhalb von Sekunden aus dem Bett gesprungen und haben mit Salome die restlichen Eier gesucht. Auf der Portraitseite haben wir noch Bilder zum Anlass.

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Rundreise durch Texas

Woodlands - (...) - Dallas

Von unserem Heim in Woodlands machten wir uns auf den Weg Richtung Norden. Von diesem Vorort von Houston mit 5-spurigem Highway, Shops und Restaurants am Laufmeter folgte schon bald der Übergang zu weniger besiedelten Gebieten, zuerst noch mit einzelnen Städten (Conroe, Huntsville), die immerhin einiges an Infrastruktur bieten, aber bald nur noch 3, dann 2 Spuren (immer pro Fahrtrichtung). Die Feederroad (so wird die Strasse bezeichnet, die parallel zum Highway verläuft und als Zu- und Abfahrt dient) verläuft zu Beginn auch noch auf beiden Seiten, dann abwechslungsweise auf einer Seite bis sie dann ganz verschwindet. Auf dem folgenden langen Abschnitt nach Huntsville sind nur noch an Kreuzungen Tankstellen, Imbissbuden oder gar der eine oder andere Shop in Betrieb, ansonsten sahen wir nur hie und da eine Farm, bis dann fast unvermittelt der Grossraum Dallas hinter einem Hügel auftauchte. Bald schon folgte der äussere Autobahnring rund um Dallas/Ft. Forth. Ausschau haltend nach einem Motel näherten wir uns der Skyline, tauchten ein - um sie dann überraschend schnell hinter uns zu lassen! Auf gut Glück nahmen wir eine Ausfahrt und fanden gleich an der ersten Kreuzung eine Bleibe.
Nach etwas Erholung und Erfrischung machten wir uns auf eine Entdeckungstour. Fazit: alles in allem gefällt es uns etwas besser als in Houston, die Quartiere sehen etwas gepflegter aus, die Velostreifen werden benutzt und es sind immer wieder Leute zu Fuss oder zumindest in Strassen-Cafes anzutreffen. Zum Abschluss liessen wir uns und unsere Fotokameras in Downtown von den kühnen und kühlen Stahltürmen beeindrucken.

Dallas - Ft. Worth - Abilene

Bevor wir Dallas am nächsten Tag wieder verliesssen, besuchten wir noch den Schauplatz des bekanntesten Mordes in der amerikanischen Geschichte: JFK. Der Besuch der Gedenkstätte und der Bibliothek von wo aus geschossen wurde, haben bei uns einen tiefen Eindruck hinterlassen, und einige der Fernsehbilder vom Attentat sind uns dabei durch den Kopf gegangen.
Da Dallas die texanische Hauptstadt der Cowboys ist (und zwar richtige Cowboys, nicht die Holiday-Urban-Cowboys von der Ölstadt Houston) haben wir bei einem Westernstore noch einen Zwischenhalt eingelegt und haben dabei aufsehenerregende Boots (Salome) bzw. einen männlichkeitsmachenden Hut (Jürg) gekauft.
Als die Tagesetappe endlich losgehen konnte, fuhren wir zuerst etwas eineinhalb Stunden durch den Grossraum Dallas/Ft. Worth. Die Dimension dieser beiden zusammengewachsenen Städte (und eigentlich lagen auch noch andere dazwischen, werden aber grosszügigerweise übergagen) ist wohl am besten zu Vergleichen mit dem Ballungsraum Ruhrpott von Duisburg bis Dortmund. Umso eindrücklicher dann der Wechsel der Besiedlung kaum hatten wir den Highwayring wieder überquert: das gleiche Bild wie bei der Hinfahrt nach Dallas, einige Tankstellen, hie und da einige Shops, dafür umso mehr Kühe und Rinder! Erleichtert nahmen wir die Siedlungen zur Kenntnis - es gibt Leben hier draussen. Aus Dankbarkeit (?) haben wir dann in Rangers einen Zwischenstopp eingelegt. Die Stadt war anfangs des 20. Jahrhunderts eine der schnellswachsenden Gegend Amerikas, da hier etliche Ölquellen entdeckt wurden. Vom pulsierenden Leben, den Bars, Handgemengen und aufreizenden Frauen war aber nicht mehr viel zu sehen. Immerhin sind einige sehenswerte Häuser bzw. Fassaden übriggeblieben und wir machten bei einem Antiquitätenshop noch Pause. Hier konnten wir anhand von Fotos, Kleidern, Geschirr und ganzen Wohnungseinrichtungen noch einiges vom Pioniergeist spüren.
Nach einem kurzen Spurt von James kamen wir dann endlich in Abilene, dem Ziel der 2. Etappe an. Auch Abilene hat seine besten Zeiten hinter sich, aber immerhin leben noch fast 100'000 Menschen in der Stadt und Umgebung und man spürt die Anstrengungen der Bewohner, die Stadt wiederzubeleben und zu reaktivieren. Bei unserem Besuch fand das grosse Fest "Celebrate Abilene&Quot; statt, bei dem am abendlichen Konzert etliche Zuhörer aufmarschierten. Dagegen präsentierte sich die Parade am folgenden Morgen etwas penibel, da die paar Leute auf den wenigen Wagen die Zahl der Zuschauer fast noch zu übertreffen vermochte...

Abilene - Buffalo Gap - Austin

Nachdem wir uns gleich nach dem Frühstück die Beine an der Parade etwas bewegt hatten, gings dann weiter Richtung Süden. Den ersten Zwischenstop machten wir in Buffalo Gap, ein Dorf, in welchem verschiedene Häuser aus dem Ende des 19. Jahrhunderts wieder restauriert wurden und als Museum zugänglich sind, sozusagen der Ballenberg von Texas. Ok, vielleicht nicht ganz so weitläufig, aber immerhin, eine Kirche, das Gerichtsgebäude inkl. Knast, Coiffure, Arzt, Postamt, Tankstelle, Bahnhof, eine Scheune, ein typisches Wohnhaus und sogar eine Schmitte mit Teilzeitbetrieb. In den einzelnen Häusern wurden sorgfältig ehemalige Gebrauchsgegenstände zusammengetragen, aber überhaupt nicht auf Hochglanz poliert, so dass wir uns problemlos in die Zeit versetzten konnten (und zwar ohne Beeinflussung unserer Westernfilme). Besonders beeindruckten uns das Wohnhaus, bzw. die Enge der Räume, welche ganz im Gegensatz zu heutigen texanischen Standarddimensionen stehen, sowie die niederige Höhe von Kochherd, Tisch und Stühlen. Die Arztpraxis konnte mit einigen schauderhaften Werkzeugen auftrumpfen, so frühe Röntgengeräte, (Zahn-)Bohrer, Sterilisierapparate etc. Daneben auch immer wieder einige Dokumente von früheren Bewohner des Dorfes, Fahrpläne und Zeitungsausschnitte. Der Umweg in dieses Dorf war also definitiv nicht umsonst!
Nach Buffalo Gap gings dann durch verhältnismässig unbedeutendes Gebiet (will heissen keine Stadt mit Skyline), dafür überraschend viele mittlere Zentren, die anscheinend nie so richtig geboomt haben, dafür auch nicht gleich wieder in Vergessenheit geraten. Andererseits wurden wir auf unserer Suche nach einer Unterkunft erst wieder fündig, als wir die texanische Hauptstadt Austin erreichten. Da wir unterdessen (nach fast 500 km Fahrt) doch eher müde waren, verbrachten wir den Rest des Nachmittages mit Ausruhen und einem Cajun-style Essen (endlich mal nicht nur für Monika eine kulinarische Neuheit, sondern auch für uns - aber wir werden diese Küche gerne wieder einmal geniessen).

Austin - Fredericksburg

Da wir nun nach der Monsteretappe des Vortages weniger auf dem Programm stehen hatten, konnten wir gemütlich die Stadt entdecken und haben insbesondere das Capitol besucht. Wie nicht weiter verwunderlich ist das Capitol in Austin das höchste in Amerika (also insbesondere höher als in Washington DC), aber wirklich beeindruckt haben uns mehr der auf Hochglanz polierte, marmorne Mosaikboden und der freie Zugang zum Gebaüde. Bei der Portraitsammlung der frühren Gouverneurs mussten wir natülrich beim Bild von Georg W. besonders schmunzeln, die Texaner sind nämlich froh, dass er zum Präsidenten gewählt wurde, so konnten sie endlich eine vernünftige Gouverneurin wählen...
Die Fahrt aus Austin heraus führte uns durch hügeliges Gebiet Richtung Fredericksburg. Ob in dieser Ecke nun einfach das Klima anders ist als sonstwo in Texas oder ob es an den europäischen Wurzeln dieser Siedlier hier liegt konnten wir nicht genau sagen, aber endlich fuhren wir an Pfirsich- und Orangenhainen vorbei - zu schade, dass noch keine Früchte zum Verkauf angeboten wurden! Erst recht staunten wir, als wir dann auch noch auf Weinberge und eine Weinkellnerei steissen (den hiesigen Wein haben wir erst etwas später getrunken und waren positiv überrascht über dessen Qualität!). Kurz vor Fredericksburg haben wir noch die Wildflower-Farm besucht, wo verschiedenste einheimische Blumenarten gezüchtet und zum Verkauf angeboten werden. Da auch diese Farm von ehemaligen Deutschen besitzt wird, durfte natürlich ein Biergarten mit Volksmusik auch nicht fehlen...
Nun aber definitiv zu Fredericksburg! Die Stadt gilt als eine der besterhaltensten Siedlungen der Gegend und ist dementsprechenden auch Touristenmetropole. Aber auch wir waren beeindruckt von der Hauptstrasse mit den wirklich gut erhaltenen Gebäuden, Restaurants und Shops. Viele Einwohner sprachen ursprünglich Deutsch, aber das Englisch scheint sich mehrheitlich durchgesetzt zu haben. Immerhin sind alle Geschäfte zweisprachig angeschrieben (oder zumindest was sie Verkauften), und immer wieder wurden wir gefragt, ob wir auch Deutsch sprechen. Auf der Suche nach einem Abendessen mussten wir leider die beiden attraktivsten Beizen ansser Acht lassen, das Restaurant Altdorf, bzw die Bierbrauerei schlossen am Sonntag bereits um 19 Uhr! Immerhin durften wir uns dann in einem anderen Biergarten einen Schlachtteller mit Sauerkraut ein Weizenbier genehmigen...

Rancherleben

Zum Abschluss unserer Rundreise machten wir zwei Tage Halt auf einer Ranch. Nach den hunderten von Meilen im Auto und den vielen neuen Eindrücken genossen wir die Abgeschiedenheit in den Hügeln Texas, nicht weit von Fredericksburg. Zwar werden auf der Ranch keine Rinder gezüchtet, aber immerhin hatten wir nun die Gelegenheit, einige Wege zu Fuss zu begehen, am rancheigenen See Steine zu werfen oder schlicht und einfach auf der Veranda in der Schaukel einen Kaffee zu geniessen. Unsere "Hütte" war im traditionellen Stil gebaut, einstöckig, ein grosses Wohnzimmer mit offener Küche (Spül- und Kaffeemaschine, grosser Kühlschrank inkl.) und zwei Schlafzimmern (mit einer Bettstätte aus dünnen, aber leicht krummen Baumstämmen). Auf der Vorderseite Richtung See war eine Veranda angebaut, von der wir die Abendsonne perfekt geniessen konnten. Auf der Rückseite gab's dann noch eine offene Feuerstelle, Grill, Tisch und Stühle, so dass wir uns schon fast ans Spanferkel wagen wollten. Aber da wir offensichtlich etwas faul waren, beschränkten wir uns auf ein feines Steak und Baked Potatoes.
Leider haben wir trotz der Abgelegenheit und sogar trotz Unterstützung durch einen Feldstecher praktisch keine Tiere gesehen. Die einzige Ausnahme bildete ein Turkey, den wir bei einem unserer Spaziergänge aufgeschreckt hatten (und für die Beweisphoto viel zu schnell davon flug...).

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Last modification: 20. Mai 2002