Tagebuch seit Dezember 01

Diese Seite ist nicht nur für unsere Erinnerungskiste gedacht, sondern soll allen einen groben Überblick über unseren Aufenthalt bieten, auch wenn wir nicht immer alle Ereignisse in den Mails erwähnen.

Einträge:

Dezember 2001 
Januar 2002
Februar 2002
März 2002
April 2002
Mai 2002
Juni 2002
Nichts ist unmöglich

 

Nichts ist unmöglich

Unter diesem Titel wollen wir in unregelmässigen Abständen über das Land der 1000 (Un-) Möglichkeiten berichten:

Shortcuts
Erziehungssystem
Automobile Erkenntnisse
Sicherheit
Gesundheitsmanie
Entsorgung
Jungbrunnen
Sales
Weihnachten
Einkaufsregeln

Die wichtigsten Erkenntnisse in Clipform

Texas ist,
wo die Staatsflagge auf die gleiche Höhe gehä werden darf wie die amerikanische.
Amerika ist,
wenn mit dem Natel nur nationale Gespräche geführt werden können, wir aber trotzdem in Kanada anrufen können.
Woodlands ist,
wenn der Verkehr stockt, weil die Schlange der Autos der wartenden Müttern vor der Kindermusik quer über den (leeren!) Parkplatz bis zur Strasse reiht.
Houston ist,
wenn wir vom Juni bis Ende August draussen nur einmal Zmittag (bei Regen im Sonic!) und nur dreimal Znacht essen.
Texas ist,
wenn sich die Bewohner nur am Nationalfeiertag daran erinnern, dass sie seit 120 Jahren zu Amerika gehören.
Woodlands ist,
wenn die Wäsche nicht draussen zum Trocknen aufgehängt werden darf (könnte das harmonische Bild stören).
Texas ist,
wenn wir ohne weiteres 2 Stunden Autofahren auf uns nehmen, um bessere Lebensmittel einzukaufen.
Woodlands ist,
wenn derVerkehr am Sonntag morgen von der Polizei geregelt werden muss, damit alle Kirchgänger frei Zu- und Wegfahrt zu ihrem Gottesdienst haben (und es gibt etliche Churches in The Woodlands)
Houston ist,
wenn die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit morgens um 8 mind 99.5% beträgt (und das von Juni bis September).
Amerika ist,
wenn die Feiertage als Ausländer nicht bemekrt würden, falls sie nicht immer mit einem Supersale verbünden wären.
Texas ist,
wenn ein Einbrecher im Haus straffrei erschossen werden darf.
Texas ist,
wenn derselbe Einbrecher den Hausbesitzer erfolgreich auf Körperverletzung anklagen wird, falls er auf dem Grundstück, aber nicht im Haus angeschossen wird.
Woodlands ist,
wenn der Verkehr am Sonntag morgen von der Polizei geregelt werden muss, damit alle Kirchgänger frei Zu- und Wegfahrt zu ihrem Gottesdienst haben (und es gibt etliche Churches in The Woodlands)
Texas ist,
wenn Du deineN PartnerIn in Flagranti beim Ehebruch erwischst und Du straffrei bleiben wirst, falls Du a) Dir nichts anmerken lässt oder b) beide umbringst.
Texas ist,
wo die Staatsflagge auf die gleiche Höhe gehä werden darf wie die amerikanische.
Woodlands ist,
wenn die amerikanische-texanische Variante des Flohmarkets - der Garage-Sale - explizit verboten ist.

Weitere Erkenntnisse folgen bestimmt.

Ausbildungs- und Erziehungssystem

Das amerikanische Schulsystem ist für Eltern von nicht schulpflichtigen Kindern nicht immer einfach zu durchschauen, aber ins Auge gestochen sind uns inzwischen zwei besondere Merkmale:

Leistungsdenken

Die Kinder werden von Klein auf motiviert (und gefordert), immer die beste Leistung zu erbringen. Für jede noch so kleine Tat wird das Kind aber auch gelobt mit "good girl", "what a good job" etc. wo wir manchmal auch denken, dass solche Sachen auch selbstverständlich sein sollen (z.B. Spielzeuge mit anderen Kindern teilen). Inzwischen haben wir uns aber natürlich auch angewohnt, Salome immer mal wieder mit einem "what a good girl" aufzumuntern - sei es nur um zu zeigen, dass auch unsere Tochter gute Dinge leistet.
Die Kinder werden schon früher und auch intensiver als wir es aus der Schweiz kennen, in alle möglichen Kurse geschickt: Kindermusik ab 6 Monaten, Naturcamp, Schwimm, Tanz- und Malkurse, alle ab 2 bis 3 Jahre. In Preeyas Kinderkrippe wechseln die meisten 2-jährigen in die Preschool, wo sie nebst Lieder singen, spielen und theatern auch das ABC und die Zahlen lernen sollen. Wenn die Kinder dann mit 5 oder 6 Jahren in den Kindergarten gehen, dann entspricht dies eher schon unserer 1. Primarschule.

Finanzierung der Schulen

Die öffentlichen Schulen werden nach der Leistung der Schüler in der Abschlussprüfungen beurteilt und damit verknüpft ist die Höhe der Subventionen. Also, je bessere Lehrer, die den Kindern erfolgreicher den Schulstoff vermitteln, desto mehr Geld gibt es im folgenden Schuljahr. Soweit so gut. Der Hacken liegt aus unserer Sicht an zwei Orten: die Subventionen werden nicht in Abhängigkeit mit der Bevölkerungsschicht gebracht, also haben reiche Quartiere (höhere Ausbildung der Eltern) meist die "erfolgreicheren" Schülern, als die ärmeren. Ziel der schulpflichtigen Eltern ist es also, in einer Gegend mit finanzstarken Schulen zu wohnen. Zweitens versuchen auch die Lehrer ihren Einfluss zu nehmen, indem den Kindern nicht die "Werkzeuge" vermittelt werden, weil dies ja noch nicht erfolgreiche Prüfungen garantiert. Nein, die Lehrer üben mit den Kindern direkt die Prüfungen und so lernen die Kinder also, dass nicht eigenes Denken, sondern Nachahmen und Passivität erfolgt bringt! (und da dies in etlichen Schulen so gehandhabt wird, ist der Effekt verschwindend gering...)

P.S.Da überrascht es nicht weiter, dass obwohl eine Firma verkauft oder gar liquidiert werden soll die Mitarbeiter in Passivität verharren und darauf hoffen, dass ihnen eine gute Seele schon noch weiterhilft....

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Automobile Erkenntnisse

Das Auto ist mehr noch als in der Schweiz ein Thema das zum Nachdenken anregt. Bereits vor unserer Abreise haben wir viel darüber diskutiert und auch viele unserer Bekannte haben ihr Urteil dazu abgegeben. Nach 100 Tagen Amerika sind wir verschiedenen Schlüssen gelangt: 1. Amerika ist nicht gleich Amerika: Houston und ein Grossteil von Texas sind ohne einigermassen akzeptables öV-Netz und deshalb viel stärker zersiedelt als anderswo. In Washington oder Chicago zB. wird ein gut funktionierendes Metronetz betrieben und auch benützt. Hier sind auch wesentlich mehr Leute zu Fuss unterwegs und der Charakter der Stadt erinnert mehr an europäische Grossstädte. Ähnlich verhält es sich mit der Grösse der Auots. In ganz Amerika sind durchnschittlich 55 - 60 % der neu in den Verkehr gebrachten Autos SUVs ("Sports Utility Vehicles " die geländegängigen Fahrzeuge mit grossem und starkem Motor) sowie Pick Ups! Der Anteil der "normalen" Autos beträgt also weniger als die Hälfte! In Houston dürften wir mit unserem kleinen Ford zu einer 30% Minderheit gehören! An und für sich könnten wir damit leben, aber manchmal fühlen wir uns auf den Strassen schon etwas unsicher, wenn links und rechts von unseren Fenstern erst gerade Räder sichtbar sind und die Karossen weiter oben beginnen! Und beim Abbiegen müssen wir regelmässig warten bis auch die Autos links und rechts gefahren sind, damit wir überhaupt die Kreuzung überblicken können....

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Sicherheit - Wahrnehmung und statistischen Wirklichkeit

Als Resultat aus der Verteilung von Fussgänger, öV und Autos ergibt sich eine überraschende Sicherheitslage in den Innestädten. Houston darf sich rühmen, die Innenstadt mit der niedrigsten Kriminalitätsrate zu haben. Und in Washington wird heftig daran gearbeitet, die Rate endlich zu senken. Wir haben allerdings einen umgekehrten Eindruck erhalten: Jedes Mal wenn wir durch Downtown Houston fahren (nach Feierabend, bzw. am Wochendende), sehen wir ausser Obdachlosen und "Pennern" nur wenige Fussgänger. So fühlten wir uns auch gar nicht sicher, als wir einmal dort Shoppen gingen (verschiedene Bekannte haben uns dann auch davon abgeraten). Ähnklich unwohl haben wir uns auch an der Greyhound-Busstation gefühlt, als wir Nicole und Yann abgeholt haben. In Chicago und Washington dagegen haben wir nie daran gedacht, dass uns etwas geschehen könnte, da überall etliche Passanten unterwegs waren und die Metrostationen bedient sind.

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Gesundheitsmanie

Die Amerikaner sind sehr darum bemüht, keine Krankheiten wegen ungenügenden Hygienemassnahmen zu übertragen. Sehr offensichtlich merken wir Europäer das in den Restauranttoiletten, wo ein Schild die Angestellten davor warnt, ohne Händewaschen zurück zur Arbeit zu gehen ("All Employees must wash hands before returning to work"). Nun hat aber unsere Kinderhüeti im Fitnesscenter den Vogel abgeschossen: die Eltern werden zZt mittels Flugblatt darauf aufmerksam gemacht, dass küenftig keine Snacks oder Zwischenmahlzeiten mehr mitgenommen werden dürfen, die nicht originalverpackt und ungeöffnet sind! Will heissen, keine selber gemachten Sandwiches oder Cookies, Früchte nur ungeschnitten (immerhin!), dafür Pommes Chips, einzeln abgepackte Crackers oder Riegel etc. etc. Begründet wird diese Massnahme mit der Angst, dass Bakterien aus den Privathaushalten via Fitnesscenter in die halbe Welt verstreut werden könnten.

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Entsorgung - Abfall darf nicht stinken

Endlich wieder einmal wurden wir in unserem Klischeedenken bestätigt: Der Umgang der Amerikaner zu Abfall ist wohl bekanntermassen mehr mit den Italienern oder Franzosen zu vergleichen denn mit den Schweizern oder Deutschen. In Woodlands (ca. 60'000 Einwohner) gibt es zB gerade einmal eine Glassammelstelle (aber immerhin etliche Papiersammelcontainer). Als wir bei unserem letzten Einkauf wieder einmal vergessen haben das Kleingedruckte bzw. das non-plus-ultra neue - in grossen Lettern aufgedruckte - Feature zu lesen, haben wir doch tatsächlich parfümierte Müllsäcke gekauft! Seither werfen wir mit viel grösserer Wonne als vorher Unrat in den Abfall und freuen uns über den blumig-frühlingshaften Duft.
P.S. Die Duftnote liegt übrigens nahe bei unserem neuen Palmolive, also nicht weit weg vom Green Apple-Shampoo.
P.PS. Die Kraft der Reinigungsmittel übertrifft unsere Vorstellungen ebenso, deshalb finden sich in unseren Kleidern ausgefärbte stellen, die Küchenkombination ist 2 mm dünner und der Putzlumpen ist von dunkelblau zu weiss gesprenkelt mutiert

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Jungbrunnen

Das Fitnesstraining hat bei Patricia und Jürg zu sehr unterschiedlichen Resultaten geführt: Nachdem wir gestern unsere Bodies im Kraftraum gestählt hatten, war heute für Salome und Jürg Coiffeur angesagt. Während Patricia Salome betreut hat, hat Jürgs Coiffeuse ein Gespräch versucht aufzubauen, so typisch mit " oooh, how cute she (Salome) is!" und sie hat Jürg danach gefragt, ob dies seine Töchter (Plural!) seien. Ziemlich erstaunt musste er sie dann aufklären, dass es sich bei den beiden weiblichen Wesen um Frau und Tochter handelt! Und dass Patricia nur gerade 4 Jahre jünger sei. Die gute Frau hat dann nur gemeint, dass Patricia eine sehr schöne Haut habe und so knapp zwanzigjährig ausschaut ;-) Immerhin hatte sie dann den Mut, dies auch nochmals Patricia selber zu erzählen. (Jürg hat sie übrigens nicht gefragt wie alt sie ihn einschätze..).

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Sales und Coupons

Das amerikanische Leben ist doch wesentlich stärker als das europäische vom Konsum und der Verführung zum Konsum geprägt. Besonders deutlich ist uns dies in den ersten drei Februarwochen aufgefallen. Begonnen hat der Verkaufsmonat mit der Super Bowl (Endspiel um die amerikanische Footballmeisterschaft, NFL), was unzweifelhaft ein guter Grund ist, seinen Fernseher endlich durch ein supersized Modell zu ersetzen. Dieses Spiel wird gemeinsam mit den besten Buddies angeschaut und deshalb braucht man einen Partyservice, einen neuen Grill, Zelt für den Garten etc. Dies alles fällt dem Durchschnittsamerikaner aber erst ein, wenn er 1. richtig mit Werbung eingedeckt wird und er 2. von super savings profitieren kann. Kaum ist der Abfall vom Fest weggeräumt, erklingen im Radio bzw. Fernseher die Werbespots für den Mardi Gras (Fasnacht) Ausverkauf, obwohl besonders in unserer näheren Umgebung sonst nichts auf Fasnacht hindeutet. Der Höhepunkt des Verkaufsmonats ist dann nur nochmals eine Woche später der President's Day - wie bei allen Feiertagen haben die Geschäfte normal geöffnet und wollen vom Familientag profitieren. Der President's Day fällt dieses Jahr auf einen Montag, so dass das Wochenende nur der Auftakt zu den big savings schlägt. Einge Geschäfte künden sogar an, dass sie am Samstag geschlossen haben, damit sie die Gestelle für den Ausverkauf vorbereiten können. Immerhin hat mit dem Valentine's Day ein Fest stattgefunden, an dem die Geschäft von üppigen Preisen dank gesellschaftlichem Kaufzwang profitieren konnten

Der zweite Weg zu günstigsten Preise führt nicht nur über Kumuluskarte, sondern viel erfolgreicher über Sammeln von Coupons. In jeder Zeitung finden sich hunderte von Angeboten, welche für eine Rabatt von einigen Cents bis Dollars werben, ebenso sind auf der Rückseite der Kassenzettel verschiedene Coupons aufgedruckt. Die Wochenendausgabe des Houston Chronicle ist durch diese Anzeigen zu einer Ausgabe angewachsen, welche die Samstagsausgabe des Tagis inkl. Automarkt, Magazin und Alpha dünn erscheinen lässt. Als Konsequenz dazu kann der Konsument sich eine Tasche für die Aufbewahrung der Coupons kaufen. Die Tasche ist so gemacht, dass sie sich an der Stange des Einkaufswagen befestigen lässt und zudem ist sie unterteilt in Lebensmittel, Kosmetikas, Alkohol etc.. Nur damit ist wohl sichergestellt, dass auch ja keine Vergünstigung verpasst wird. Kürzlich hat uns übrigens eine Frau nach der Kasse angesprochen, ob sie die Rückseite des Kassenzettels anschauen dürfte, man hat ihr erzählt, dass irgendein begehrenswerter Artikel mit entsprechendem Coupon 15 $ billiger zu haben sei. Unglücklicherweise haben wir genau dieses Angebot nicht aufgedruckt gehabt.

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Weihnachtsschmuck

In der Vorweihnachtszeit, auf der Pirsch nach den letzten Geschenken geniessen wir die Stimmung in den Strassen (Dekorationen und vor allem Lichterketten und -schmuck bis zum Abwinken) und natürlich vor allem in der Shopping Mall. Auf dem Weg dahin treffen wir auch wieder mehrere Fahrzeuge an, die am Kühlergrill oder zur Abwechslung auch am Dachständer Tannenäste befestigten (na ja, besser als immer nur die Ami-Fahnen). Nachdem wir dann endlich in der Mall angekommen sind, haben wir gleich bei der ersten Rolltreppe eine Frau bemerkt, die in ihr Haar Tannenäste, Weihnachtskugeln und rotes Glimmerzeugs eingeflochten hat! Nun konnte definitiv nichts mehr schief gehen.

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Einkaufsregeln

Wie weiter oben erwähnt, können es nicht einmal die zürcher Öffnungszeiten mit den hiesigen aufnehmen. Dafür staunten wir nicht schlecht, als wir an einem Sonntagmorgen um 11 Uhr im WalMart Bier kaufen wollten, aber nicht durften! Als nämlich die Kassieren das Six-Pack über den Scanner zog, erschien eine Meldung, dass dieses Produkt nicht verkauft wird. Sie hat dann ihre Supervisorin gefragt, was wohl das Problem sei, worauf sie uns alle aufgeklärt hat, dass doch am Sonntagmorgen bis 12 Uhr kein Alkohol verkauft werden darf. Alkohol trinken ist übrigens (für die über 21-jährigen) zu allen Tages- und Nachzeiten gestattet.

 

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