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Erholung vom Ämterlauf finden wir wie alle Amis beim Shoppen. Patricia haben es die riesigen Stores besonders angetan, aber es macht halt einfach Spass, mit einem angenehm grossen Einkaufswagen sich nicht zwischen Gestellen durchzwängen zu müssen. Und obwohl wir nun doch ein 2.5 Personen-Haushalt sind, nehmen wir nur selten eine Familienpackung, ansonsten müssten wir pro Tag wohl über 1 kg Fleisch/Person verschlingen (apropos, ihr habt sicher auch den Artikel in der Zeitung gelesen: Houston ist zum 2. Mal nacheinander zur Stadt mit den fettesten Einwohnern gekürt worden ---> mehr zu unseren sportlichen Aktivitäten). Daneben sind natürlich auch die Kleiderläden nicht ohne, endlich mal Levis-Jeans für unter Fr. 60, und sowieso noch der eine oder andere Laden, den es bei uns nicht gibt. Für Salome haben wir heute die Frühjahrskollektion gepostet, da es nun doch regelmässig 25 Grad warm wird und zudem Salome so viel gewachsen ist (vertikal, nicht horizontal :-), dass ihr etliche Kleider nicht mehr passen. Kulinarisch versuchen wir mit europäisch/amerikanisch/asiatischem Essen auf der Höhe zu bleiben, hoffen, dass wir unsere Fleischbratkünste etwas verbessern können und lassen dafür den texanischen Wein auf der Seite.
Was wir besonders schätzen sind die absolut kundenfreundliche Einkaufszeiten, so dass wir auch abends um 10 Uhr den Kuchen backen können, auch wenn wir das Backpulver vergessen hatten. Typischerweise sind die Ami-Geschäfte um ein X-faches grösser als in der CH, die normalen Lebensmittelläden sind mind. so gross wie der Migros am Limmatplatz (wir müssen immer schmunzeln, wenn wir uns an den neuen Coop in Wipkingen erinnern, wie wir da mit dem Wagen fast nicht durch die Gestelle kommen, geschweige denn mit einem anderen kreuzen können...), es kann aber auch durchaus vorkommen, dass man sich in einer Halle wiederfindet, die sicher so gross wie ein Fussballplatz ist! Der Vorteil daran ist, dass die Amis fürs Leben gerne shoppen und dadurch wenigsten dabei etwas "Fitness" treiben. Beim Shoppen übernehmen wir gerne die lokalen Sitten und versuchen die Unterschiede in den Angeboten zwischen hier und zuhause zu finden (z.B. 10 Laufmeter Cornflakes/Cereals gegenüber 1m...)

Unser Anti-fating-Training besteht aus: 2 Bikes, Trailer fürs Bike, Baby-Jogger, Fitnessraum in der Siedlung (bisher unbenützt) und ein Abo im YMCA (inkl. Hallenbad, Aerobic, Workout-Programs, Child Care). Patricia geht fast täglich entweder zu Fuss oder per Bike einkaufen (2 x 3 km) und ich die gleiche Distanz mit Fahrrad zur Arbeit. Im YMCA haben wir eine Einführung in den Kraftraum erhalten (8 Steps to Fitness) und sollten nun also gemäss Vorgabe des Trainers 3 -4 Mal die Woche uns ertüchtigen. Patricia bevorzugt aber die Gesellschaft tagsüber im Aerobic (2 Mal die Woche), so dass wir dann noch zweimal gemeinsam trainieren.
Am Wochenende erkunden wir - vorzugsweise mit dem Fahrrad - die nähere Umgebung, in welchen es von Parks nur so wimmelt. Hier kann sich Salome auf den Klettertürmen, Rutschbahnen etc. austoben und wir versuchen, mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen.

Da sich das Wetter am President's Day (Geburtstag des 1. US-Präsidenten und damit wichtiger als Karfreitag und - im Gegensatz zu Ostern - also Feiertag) wieder einmal von der prächtigsten Seite zeigte, haben wir beschlossen, in Übereinstimmung mit den hiesigen Gepflogenheiten, einen Ausflug in die Umgebung zu machen. Ziel des Tagestrips war Lake Livingston State Park, über den wir gelesen haben, dass auf 6 km Wanderweg 98 Vogelarten gezählt wurden (es hat sich später herausgestellt, dass diese 6 km alles sind, was der Park auf x hundert km2 an Wanderwegen zu bieten hat). Nachdem uns Patricia souverän durch die Pampa gefahren hatte (he Leute, wir haben die texanische Pampa gefunden!!!), Salome - und wir alle auch - die Märlikasette schon fast auswendig kannten und wir dann noch die 6 $ Eintritt bezahlt hatten, durften wir endlich loslegen. Beim Eingang warnte uns ein Schild vor Alligatoren, beim Nachfragen stellte sich dann heraus, dass sie nur am Nordufer anzutreffen sind (das fast 60 km entfernt vom Park gelegen ist....). Dank ausgehändigter Karte war schnell mal klar, wo wir "wandern" wollten, Parkplätze waren ebenfalls zu genüge vorhanden. Der Wanderweg führte uns durch einen lauschigen Wald und war vollständig als hölzerner Laufsteg angelegt. Unter diesen Vorkehrungen fühlten wir uns in der Wildnis sicher (und Patricia schätzte es gar nicht, wenn Jürg mit Salome kurz neben dem Weg Tannzapfen sammelte). Unterwegs haben verschiedene Pic Nic Areas zum Rasten und Verweilen eingeladen, gut aufgemachte Tafeln informierten uns, welche Tiere man hier sehen könnte. Leider haben wir nur einige Vögel zwitschern gehört, dann und wann ein Rascheln von Eichhörnchen und das wars dann schon, keine Enten im Duck Pond (sehr zum Leidwesen von Salome), keine (fliegenden) Frösche, Schildkröten oder Schlangen im Frog Pond, auch keine Gürteltiere, Wildschweine, Pumas oder dergleichen, gar nichts! Wir haben uns schon überlegt, ob wir den Eintrittspreis zurückfordern sollten!!! haben uns dann aber entschieden, später im Frühling nochmals zu kommen, vielleicht haben wir dann mehr Glück.
Nach einem entspannenden Mittagsschlaf, den Bauch in die Sonne gestreckt, das Rauschen der Wellen im Ohr (oder waren es doch nur die Ski Jets?) gings dann über Huntsville (eigentlich nur ein Kaff, aber halt bekannt durch das Staatsgefägnis mit Todestrakt) nach Hause. Bei einem Zwischenstopp in Livingston (nochmals ein Kaff, aber dafür mit einziger gepflegter Einkaufsmöglicheit auf 30 Meilen Pampastrecke) haben wir unsere hungrigen Bäuche mit Doughnuts gefüllt (Salome war danach wieder etwas erträglicher, aber es ist weiss Gott noch nicht ihr Ding, an einem Tag 4 Stunden Auto zu fahren).
Da wir nach diesem anstrengenden Tag nicht mehr selber kochen mochten, haben wir den Tag mit einem richtigen Burger bei Tom's Restaurant abgeschlossen. Salome hat sich bei den French Fries nicht zweimal bitten lassen und auch wir haben die währschafte Portion (wer erinnert sich noch an die Anfänge des Zic Zac, als sie noch diesen üppig gefüllten Teller servierten?) mit grossem Apetit verschlungen.

Am letzten Montag im Februar, nachdem wir endlich das Fiebern um Olympiade hinter uns gebracht haben, haben wir einen ersten Höhepunkt von unserem Aufenthalt in Texas erlebt: das Rodeo in Houston. Man braucht eingentlich kaum zu erwähnen, dass dieses Rodeo das grösste Rodeo weltweit ist, aber wir wollten es formeshalber trotzdem festhalten. Die andere Dimension beginnt bei der Anfahrt, es stehen 8 Park and Rides rund um Downtown Houston für die Besucher offen, will heissen, dass wir dann zum ersten Mal mit sowas wie öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs waren. Das Programm beginnt täglich um 9 Uhr mit Streichelzoo, Ausstellungen, Chilbi etc. und da Jürg schon etwas früher von der Arbeit losgegangen ist, waren wir schon vor dem Abendprogramm (Start um 7 Uhr) auf dem Areal.
Wie aus dem Angebot ersichtlich ist das Rodeo etwa wie die Olma, man kann vom Traktor über Bibelis und Sättel bis zum oversized Geländewagen alles kaufen. Wir haben die Verkaufsstände aber mehrheitlich auf der Seite gelassen und haben uns dafür im Streichelzoo amüsiert. Da gab es nicht nur Geissen und Schafe zu streicheln, sondern auch Känguruhs, Lamas und sogar Rehe, die zutraulich und friedlich (solange sie etwas zu essen kriegten...) um die Besucher strichen. Da Salome noch immer sehr viel Respekt vor Tieren zeigt (obwohl sie fast ausflippt, wenn sie welche sieht), haben wir den Abstand etwas erweitert und machten uns auf den Weg zum Pig-Race. Wie jeder Event werden beim Pig-Race nicht einfach nur Schweine auf die Rennbahn geschickt, sondern es wird eine laute Show abgezogen. Jedes der jeweils 4 teilnehmenden Schweinchen wird mit Namen vorgestellt, die jeweils eine Mischung von realen Personen und "pig" sind (am besten hat uns dabei Jennifer Lopigs gefallen). Weiter werden die Zuschauer in Sektoren eingeteilt, damit wir wissen, für welches Pig wir schreien müssen, dazu kommt noch die/der Cheerleader, mit der einzige Aufgabe, einen Preis abzuholen, wenn das eigene "Ross" gewinnt. Das Rennen selber dauert dann nur noch einen Bruchteil des Vorspiels, aber lustig ist's schon, wenn sie da im Kreis herum spurten (Fotos folgen später).
Da wir auf dem ganzen Areal keine Olma-Bratwurst fanden (Danica, bitte nachsenden!), mussten wir mit Sausage on the Stick und einem halben Turkey-Schenkel zufrieden geben. Da danach der Magen immer noch knurrte (nicht der angebotenen Menge, mehr des Geschmackes wegen) kauften wir später noch Softeis und Funny Cake (fritierter Eierspeise in Nudelform, mit viel Puderzucker bestäubt). Danach war es bald 7 Uhr, höchste Zeit, unsere Plätze im Astrodom zu suchen. Dank hilfsbereiten Staff fanden wir den Weg in den 7. Stock, Sektor 47 ohne grössere Probleme. Als wir dann aus dem Gang in die Arena eintraten, blieb uns fast der Atem weg. Die Dimension dieser Halle ist nur schwer zu erfassen, wir schätzen, dass der Durchmesser zwischen 150 und 200 m beträgt. An der freischwebenden Decken sind riesige Bildschirme, Lautsprecher und Scheinwerfer aufehängt. Die Halle fasst gut und gerne 30'000 Zuschauer (alle auf Sitzplätze).Nachtrag: unterdessen haben wir herausgefunden, dass am Abschlusskonzert doch tatsächlich 80'000 Zuschauer das letzte Rodeo im Astrodom sahen. Gleich neben der Halle wurde n&aum;lich eine neue Arena gebaut, in welcher die Houston Texans ihre NFL (National Footlball League)-Spiele austragen werden , aber eben auch das Rodeo beherbergen wird. Wer gerne einen Blick von aussen auf das Astrodom werfen will und auch noch einige architektonische Details erfahren öchte, empfehlen wir einen Abstecher zu Houston architecture info
Die Unterhaltung begann mit dem Aufmarsch der Gladiatoren, einige Dutzen Coweboys auf ihren Pferden, Planwagen, Oltimer-Feuerwehrautos und Fahnenträger. Als die Arena wieder frei war, wurde das Licht abgeschaltet, ein einzelnder Cowboy führte sein Pferde in die Mitte. Alle Zuschauer wurden aufgefordert, sich von den Sitzen zu erheben, um gemeinsam zu beten, für die Opfer vom letzten September, für die tapferen Feuerwehrleute, Polizisten, Militärs, die Cowboys und für alle Tiere und Menschen in der Halle. Danach folgte die Nationalhymme, live vorgetragen von einer lokalen Country-Grösse, untermalt von Licht- und Lasershow (Stars and Stripes) und begleitet durch Feuerwerkskörper! Die Amies sind einfach schon gut, wenn es um Show, Action und Entertainment geht! Die Wettkämpfe standen aber der Eröffnung um nichts nach: Cowboy fängt Kalb mit Lasso und bindet die Füsse zusammen (9.35 s Bild 1), Horse-Riding (geht auf sauber Technik, nicht auf Zeit, und trotzdem warten alle auf einen Abwurf..., Bild 2), Cowboy-Paarlauf (1): zwei Reiter versuchen ein Kalb in die Mitte zu nehmen, Reiter 1 lässt sich von seinem Pferd auf das Kalb fallen und bringt es zum Fall(was sinnigerweise als Rinderringen bezeichnet wird, Bild 3), Cowboy-Paarlauf (2): zwei Reiter fangen ein Kalb, indem der 1. Reiter mit einem Lasso über Kopf und der 2. Reiter mit dem Lasso um die Hinterläufe das Kalb unter Kontrolle bringen (was damit als Team-Lasso-Werfen bezeichnet wird, Bild 4). Nicht fehlen durfte weiter das Bull-Riding (ebenso ein Schönheistwettbewerb, aber mit wesentlich mehr Action-Potential, Bild 5), die Cowgirls haben sich beim Barrel-Rennen gemessen (Speed-Riding um 3 Fässer herum, Bild 6). Unser Favorit des Abends war aber der Wettkampf der Jugendlichen: 10 Girls und 15 Jungs mussten versuchen 15 Kälber in der Arena zu fangen (ohne Hilfsmittel) und sie dann in die Mitte führen/ziehen/stossen. Anfangs sind die Kids den Tieren noch fit nachgespurtet, aber diese waren einfach etwas flinker. Einige (insbesonder Girls) versuchten, die Tiere am Schwanz zu halten was zu besonders lustigen Szenen führte. Ein Mädchen fing mit einem Sprung ein Kalb und hielt es während mehr als einer Minute am Schwanz fest und wurde dabei vom Tier durch die halbe Arena gezogen! Natürlich durfte das Publikum ihr leidendes Gesicht auf Grossleinwand mitverfolgen... Bis endlich alle Tiere eingefangen waren (mit der Zeit unterstützt durch echte Cowboys haben wir ein riesen Gaudi genossen! Nach den Wettkämpfen wurde die Arena für die Konzerte von Styx und REO Speedwagon umgerüstet. Bevor aber die Musik einsetzte, holten nochmals einige Showelemente (Planwagenrennen mit 4-Spännern und Feuerwerk) Salome zurück von den fast schlaffenden zu den hellwachen. Munter sass im Huckepack, klatschte mit dem Publikum, wippte zum Takt und reckte die Faust, wenn es andere ihr vor machten. Sie hat überhaupt den ganzen Anlass sehr genossen, immer wieder mitgeklatsch, mitgefiebert ("Aua", wenn ein Reiter vom Pferd fiel), mitgelacht und mit geschrien. Trotzdem haben wir uns dann bald mal vom Konzert verabschiedet, die Musik recht laut war, so dass wir um Salomes Gehört fürchteten.

Last modification: 30. Apr 2002