März 02

Einträge:

Kindermuseum
San Antonio
Swiss Alps und deutsch-tschechische Spuren

Kindermuseum

Nachdem wir von den Erlebnissen am Rodeo erschlagen waren, brauchten wir einige Tage ohne neue Eindrücke. Zwischendurch haben wir ja immerhin die Beschreibung des Rodeos erweitert und die Fotos auf die Homepage gebracht. Danach waren wir bereit für neue Abenteuer und schon wieder hat uns unser gute alte Ford, welcher wir bei dieser Gelegenheit für seine treuen Dienst James tauften, nach Downtown Houston (am Steuer zum ersten Mal auf dieser Strecke Patricia!) gebracht. Ohne mit den Wimpern zu zucken ist Patricia also durch dieses Strassengewühl geflitzt und hat sich von keiner Auf- oder Abfahrt aus der Ruhe bringen lassen. Doch nun zur eigentliche Attraktion: das Kindermuseum ist das Museum, wo sich Jürg sofort wohlfühlt: alles darf angefasst und ausprobiert werden! Das Museum ist unterteilt in verschiedene Sektionen, die teilweise auf unterschiedliche Altersstufen ausgerichtet sind (von 1 bis 12+-jährig). Begonnen haben wir unseren Rundgang im Wissenschaftsteil, wo die Übermittlung von Nachrichten mittels Rohrpost, Telefon oder gar Videoteleofonie, Aufbau von chemischen Strukturen (haben wir elegant auf der Seite gelassen) und Magnetismus/Elektrizität im Vordergrund stand. Die besondere Attraktion in diesem Teil für Salome war der Ford Thunderbird, in welchem sie ihre erste Fahrstunden geniessen durfte (Anmerkung: Jürg hat übrigens in der Zwischenzeit die texanische Fahrprüfung bestanden!). Nachdem wir sie dann endlich aus dem Auto locken konnten, wartete eine künstlicher Bauernhof auf uns - ok die frisch geschlüpften Kücken waren echt, aber die Kuh, welche wir sogar melken durften, war von der Zürcher Bahnhofstrasse geklaut! Aber immerhin, die texanischen Kinder wissen jetzt, dass die Milch nicht aus der Packung, sondern aus dem Plastik kommt... Der 3D-Flug auf dem Rücken einer Riesenbiene (aus der Perspektive der Biene) hat es Patricia besonders angetan und war wirklich eindrücklich gemacht (sogar das Vibrieren beim Fliegen wurde imitiert).
Das nächste Glied der Nahrungskette ist bekanntlich der Lebensmittelladen, wo die Kinder sich als (Ver-)KäuferInnen, KassierInnen oder beim Gestellauffüllen üben konnten. Selbstverständlich waren einzelne Kassen mit Barcode-Scanner ausgerüstet und die bekannten Kreditkarten wurden akzeptiert. Wir Eltern waren aber einhelliger Meinung, dass in jedem Supermarkt ein Kinderlebensmittelladen eingerichtet sein sollte, wo die Kinder nach Lust und Laune "einkaufen", wir in Ruhe unsere Einkäufe erledigen können und am Schluss brauchen wir auch keine Süssigkeiten zu kaufen, weil alles schon im Spiel erlebt wurde. Neben dem amerikanischen Grocerie-Store war auch noch ein mexikanischer Markplatz mit verschiedenen Verkaufsständen eingerichtet, einmal mehr zeigt sich also der positive Einfluss der südlichen Nachbarn auf die texanische Kultur (ansonsten geniessen wir ja regelmässig Tacos, Enchiladas, Quesadillas etc.). Ins Auge gestochen ist uns aber, dass im mexikanschen Teil nur ein klappriger VW-Bus aufgestellt war - welch ein Kontrast zum protzigen Thunderbird. Daher sind wir gleich weiter in die Dorfschule gegangen, welche uns mit der traditionellen Einrichtung (Holzbänke, Schiefertafeln und echte Kreide) sehr beeindruckte (auch wenn die mexikanischen Schulen heute sicherlich ganz anders ausschauen).
Weitere Themen im Museum waren Bücherecken, Kugelbahnen, Lokomotive, grosser Spielplatz (welcher uns als verwöhnte Woodlanders nicht anzuziehen vermochte), eine grosse Spielküche, in welcher auch die Reinigung nicht zu kurz kommt. Weiter durfte natürlich auch eine Cyber-Ecke nicht fehlen, welche aber Salome nicht mehr beeindrucken konnte, da sie von den vielen Eindrücken schlichtwegs erschlagen war.

Zum Seitenanfang

San Antonio

San Antonio war der erste Streich, weitere werden folgen. Schliesslich wollen wir hier in Amerika einiges sehen. San Antonio liegt westlich von Housten und wird von allen Texaner wärmstens empfohlen. Nachdem wir die vierstuendige Autofahrt hinter uns gebracht hatten (Salome herzlichen Dank) waren wir alle froh, endlich im Hotel angekommen zu sein. Schon vom Auto aus hat uns San Antonio vom ersten Augenblick an gefallen, und wir waren sehr "gwunderig" es noch aus der Nähe zu erleben. Da es bei unserer Ankunft schon recht dunkel war, kamen die vielen Lichter und Laternen voll zum Zug. Aus unserem Zimmer im 20. Stock genossen wir zuerst einmal die Aussicht, bevor wir uns ins Getümmel stürtzten. Die Stadt ist besonders für den Riverwalk bekannt - eine ehemalige Flussschlaufe, welche zum Vergnügungsmeile umgebaut zum Schlendern, Spazieren und Verweilen einlaedt. Überall entlang des Riverwalks hat es Restaurants, Cafes und Bars, welche mit ihrem mexikanischen Charme die Passanten anziehen. In San Antonio, leben mehr Menschen mexikanischer Herkunft als Amerikaner und das macht sich auch überall bemerkbar. Alles geht ein wenig gemütlicher voran und die Menuekarten, Stassen, Stores etc. sind spanisch/englisch angschrieben. Auf jeden Fall waren wir nach einer kurzen Erfrischung in Hilton (alles andere war ausgebucht) ebenfalls im Menschengewuehl anzutreffen. Als unsere Bäuche mit Potateos, Fleisch und Cola gefuehlt waren, konnten wir mit der Erkundung weiterfahren. Obwohl es mittlerweile zehn Uhr war zeigte sich Salome von der besten Seite und genoss all den Rummel, die vielen Leute und farbigen Lichter. Im Gegensatz zu unserer Heimat in Houston sind in San Antonio fast zu jeder Tages- und Nachtzeit Fussgänger anzutreffen und am Riverwalk spielt sich das interessante Leben auch draussen und nicht in vollklimatisierten Räumen ab (auch wenn es für unseren Geschmack noch etwas zu kühl war und wir in Rücksicht auf Salomes Husten drinnen assen). Nachteil dieses europäisch/mexikanischen Lebensstils: unsere Wädli begannen sich mit einem sanften Ziehen bemerkbar zu machen! Wir müssen also dringend unser Fitnessprogramm umstellen, um künftig solche Trips ermüdungsfrei geniessen zu können. Das heisst, wir wollten uns für den Samstag auffrischen und schlafen. Aber wie es halt so ist, waren die vielen Mexikaner da anderer Meinung, und festeten bis in den Morgen hinein. Dazu kamen dann noch die vielen temperamentvollen Lastwagen und Autofahrer und das wiederum bedeutet Hup-und Hornkonzerte die ganze Nacht hindurch. Am andern Morgen waren wir immernoch müde, aber Salome half uns wiedereinmal mehr aus dem Bett, und so waren wir schon recht früh auf der Suche nach einem geeineten Fruhstückslokal. Wir bekamen feinen aromatisierten mexikanischen Kaffee und dazu frittierte Krapfen mit Puderzucker (Original New Orleans Beignets!), ein weiches, schlaffes Croissant und Früchte. Salome und Patricia sind zu grossen Liebhabern dieser Art von Frühstück geworden und waren voll im Element. Danach ging es mit einem Stadtbummel durch die alten Marktgässen weiter. Auch hier zeigte sich der starke mexikanische Einfluss in Form von etlichen Jahre alten, aus Stein gebauten Kirchen (!), farbige Häuser und Kopfsteinpflaster. Alles in allem also eine recht unamerikanische Stadt (die höchsten Häuser sind Hotels und von Skyline zu reden wäre doch etwas übertrieben), aber wir können Euch allen einen Besuch wärmstens empfehlen (inkl. rechtzeitiger Hotelreservation). Bevor Salome sich für den Mittagsschlaf verabschiedet hatte, packten wir unsere Sachen ins Auto und fuhren los Richtung Meer (Corpus Christi). Die fahrt war eher öd und führte uns über die div. Highways nach Mathis, einer kleinen eigenständigen Stadt mit 5623 Einwohner und hier wurde unser Interesse über die Geschichte von den Siedlern in Texas geweckt. Nicht dass Mathis eine besonders interessante Stadt ist, es ist eher ein Ort, welchen die jungen Leute verlassen, sobald sie können. Zwar nahe bei Corpus Christi (vergleiche Karte), bietet aber ausser Landwirtschaft, etwas Tourismus, einigen Shops, Tankstellen und Coiffeursalons keine grossen Einkunftsmöglichkeiten. Aber im Gegensatz zur Region um Lake Livingston wohnen die Leute hier alle etwas näher beisammen und flüchten sich nicht in ihre Hütte. Wir denken, dass die Unterschiede aus der Abstammung der Einwohner herrühren. Während unsere Umgebung wohl erst in den letzten 50 Jahren von "Amerikanern" besiedelt wurde, ist die Gegend zwischen Houston und San Antonio anfangs 19. Jahrhundert von vielen Europäern (insbesondere Deutsche, Tschechen und einige Schweizer, inkl. Zgraggens und Lüthys) besiedelt worden, die wohl ihre gewohnte Siedlungsform mitgebracht hatten. Bevor wir aber mit dem Ausflug in die Vergangenheit fortfahren hier noch das wichtigste über unseren Aufenthalt in Mathis: wir haben ein kleines, aber gut eingerichtetes Motel (gehört keiner Motel-Kette an!) gefunden und haben uns auf Empfehlung des Patrons auch gleich für das Abendessen angemeldet. Abgesehen davon, dass sie kein Alkohol ausschenken ("feel free to bring your beer with you") haben wir trotzdem unsere Bäuche vollgeschlagen und ein unwahrscheinlich ruhige Nacht verbracht. Bevor es am Sonntag auf den Trip durch die Geschichte ging, haben wir uns nochmals beim Frühstück ordentlich gestärkt. Aus der grossen Auswahl haben wir uns für ein Rancher-Frühstück entschieden, und merkten uns die Adresse für einen zweiten Besuch vor (ab 11 Uhr wäre ja auch noch Brunch angesagt gewesen).

Zum Seitenanfang

Swiss Alps und deutsch-tschechische Spuren

Die Heimfahrt von Mathis führte uns durch die mitteltexanische Ebene, die mit zwei Eigenschaften in unseren Gedächnissen hängenblieb: ultraflache, riesige Farmen (sozusagen wie in Holland, einfach viel wärmer und weniger nass) und von den Spuren der europäischen Immigranten. Während ja sich der Grossraum Houston anderen amerikanischen Metropolen ähnelt und mit den breiten Highways und riesigen Shopping-Areas sehr "amerikanisch" wirkt, haben wir nach der mexikanischen Enklave San Antonio auf dieser Reise Spuren der ersten weissen Siedlern gefunden. In etlichen kleinen Städten, die Weimar, Schulenburg, New Ulm oder La Grange heissen, haben wir noch einen ursprünglichen Market Square vorgefunden (also "quadratischer Marktplatz"), mit irgendeinem Regierungsgebäude im Zentrum (typischerweise das Bezirksgericht), darum herum sind mehrheitlich guterhaltenene Gebäude aus dem Ende des 19. Jahrhunderts (!!!!) angeordnet, in denen Bäkereien (!), allg. Lebensmittelläden, Antiquitätenshops, Lokalzeitungsredaktionen und anderes Lokalgewerbe untergebracht sind. Nicht nur an den Ortsnamen, sondern auch an den Geschäfts-und Strassennamen wird deutlich, dass diese Siedlungen von europäische Immigranten aufgebaut wurden. Vielleicht ist dies auch ein wichtiger Grund, dass die Gebäude 1. stabil gebaut wurden und 2. auch gepflegt und erhalten werden und nicht einfach dem Schicksal überlassen und nach 20 - 30 Jahren Nutzung vergammeln und dann abgerissen werden.
Der absolute Höhepunkt der Fahrt war - nein nicht der Burger von Wendys - sondern kurz nach dem Mittagessen das Ortsschild "Swiss Alps". Die Verblüffung war so gross, dass wir nicht mal eine Foto davon schiessen konnten, aber zum Beweis hier noch ein Ausschnitt aus der Karte. Immerhin haben wir dann noch einige Bilder von der Gegend gemacht, die Ihr unter Bildern finden könnt. Die Ecke hat übrigens auch tatsächlich etwas schweizerisches an sich. Nicht mehr die endlose Weite von einigen Meilen vorher, sondern eine abwechslungsreiche, leicht hügelige Landschaft mit Strukturelementen wie bewaldeten Bächläufe, Hecken, gruppierten Bauernhöfe (nicht die möglichst alleinstehenden, kommt-mir-ja-keiner-in-die-Nähe Farmen wie wir sonst in unsere Umgebung/Lake Livingston gesehen haben).
Viel spannender als Worte sind aber die Bilder von dieser Reise, die Ihr hier findet. Weiter haben wir auch noch einige interessante Links zu dieser Gegend:

  • Allgemeine Seite über die Gegend
  • Weimar
  • La Grange 1
  • La Grange 2
  • Round Top (unser absolut liebstes Städtchen)

    Zum Seitenanfang

    Last modification: 30. Apr 2002